SDG 3 Ganzheitliche Gesundheit

In seinem originalen Wortlaut widmet sich SDG 3 dem Wunsch, ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters zu gewährleisten und ihr Wohlergehen zu fördern. Im Fokus steht dabei die Gewährleistung einer guten, fairen und erschwinglichen medizinischer Versorgung für alle Menschen. 

Mit dem Wunsch, dieses Nachhaltigkeitsziel um eine innere, geistig-spirituelle Perspektive zu erweitern, möchten wir uns auf dieser Seite der Frage nach einer ganzheitlicher Gesundheit widmen.

Am 6. Mai 2021 konnten wir zum Themenschwerpunkt „Ganzheitliche Gesundheit“ bereits eine große, digitale Veranstaltung durchführen. An diesem Abend war Dr. Jan Salzmann unser Gast. Er ist Facharzt für innere Medizin, Notfallmedizin, Psychotherapie und Palliativmedizin in Aachen und seit vielen Jahrzehnten lokal – in der eigenen Praxis und in der Region – sowie im globalen Süden, aktiv für eine gerechtere Welt engagiert.

Im Anschluss diskutierten wir mit unseren Teilnehmer:innen in Form eines digitalen World Cafés, in interaktiven Kleingruppen, die folgenden Themenbereiche und Fragestellungen:

1. Gesundheitsbewusstsein – Gesundheit heißt Verantwortung

In unserer Gesellschaft geben viele Menschen die Verantwortung für die eigene Gesundheit an die Ärzte ab. Wenn der Körper nicht mehr funktioniert, sollen sie uns schnell wieder auf die Beine bringen. Die fehlende Achtsamkeit für die Bedürfnisse des eigenen Körpers führt zur Ausbeutung der eigenen Ressourcen. Auch haben viele Menschen verlernt auf die Signale ihres Körpers zu hören. Was geht mir an die Nieren? Was schlägt mir auf den Magen? Was lastet auf meinen Schultern? Körperliche Symptome sind nicht selten Ausdruck eines seelischen Ungleichgewichts. Mit achtsamer Selbstfürsorge nehmen wir die Verantwortung für unsere Gesundheit wieder in die eigenen Hände.

Photo by Jess Bailey on Unsplash

2. „Kraftmacher für die Seele“ – Seelische Gesundheit in besonderen Zeiten

Was ist seelische Gesundheit und was braucht die Seele, um gesund zu sein und zu bleiben? Für ein gesundes inneres Gleichgewicht ist es wichtig, allen Gefühlen in mir Raum zu geben. Kann ich Wut, Angst, Ohnmacht oder Traurigkeit zulassen oder ersticke ich sie in Ablenkungen wie essen, rauchen, trinken, Sex oder TV-Serien?

Was kann ich in Zeiten besonderer Herausforderung aktiv für mein seelisches Wohlbefinden tun? Wie kann ich bewusst gesunde Gedanken und Gefühle nähren? Oder mich von alten, destruktiven Glaubenssätzen über mich und die Welt lösen? Welche psychischen Ressourcen dienen mir als innere Kraftquellen?

3. Globale Gesundheit in meinen Händen

Was können wir – als Nicht-Mediziner – für die Gesundheit anderer Menschen (hier und im globalen Süden) tun? Wichtig ist vor allem, sich der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu werden.

Heute haben rund drei Milliarden Menschen keinen bzw. keinen ungehinderten Zugang zu Gesundheitsversorgung. Die Armut in der Welt – und damit auch die schlechte Gesundheitsversorgung – ist eng an unser Konsumverhalten in der westlichen Welt gekoppelt. Um Preise niedrig zu halten, werden Menschen ausgebeutet und müssen unter prekären Bedingungen leben und arbeiten. Auch die ökologischen Folgen dieser Lebensweise treffen hauptsächlich die Menschen in den ärmsten Ländern. Durch den Klimawandel sind sie verheerenden Umweltkatastrophen ausgesetzt.

Der Verein KLUG (Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.) setzt sich für einen verantwortlichen Umgang mit dem Planeten ein. Die „planetary health diet“ zeigt auf, wie eine gesunde, nachhaltige Ernährungsform funktioniert. In der „Klimasprechstunde“ können sich Menschen informieren, welche Auswirkungen der Klimawandel auf ihre eigene Gesundheit hat und welche Vorteile eine nachhaltige Ernährung und Lebensweise bringen.

In welchen Lebenssituationen kann ich mir selber ein Armutszeugnis aussprechen? Welche inneren (ungeliebten) Anteile in mir fühlen sich verarmt und vernachlässigt an? Diese Gedanken helfen uns dabei aufzudecken, wo noch Bedarf für inneres Wachstum liegt. Denn oftmals ist Mangelbewusstsein kein absolutes Phänomen, sondern betrifft einzelne innere Anteile die es aufzuspüren und durch bewusste Auseinandersetzung aufzulösen gilt.

4. Vom Leben und Sterben – Was wir vom Tod lernen können

Der Tod ist ein großes Tabu in unserer Gesellschaft. Dabei ist die Tatsache, dass wir irgendwann sterben, das Einzige, was wir mit absoluter Sicherheit voraussagen können. Was können wir vom Tod lernen, wenn wir ihn besser in unser Leben integrieren, uns aktiv schon zu Lebzeiten mit dem Ende unseres Lebens auseinandersetzen? Wenn wir den Tod in unser Leben einladen, öffnet er uns die Augen für das was uns wirklich wichtig ist. Er hilft uns auf diese Weise, gleichzeitig die Nichtigkeiten des Alltags loszulassen und uns JETZT dem Wesentlichen zuzuwenden statt es auf Morgen zu verschieben. Wenn wir verstehen, dass alles vergänglich ist, können wir den Dingen mehr Wertschätzung entgegen bringen. Auf diese Weise ist es der Tod, der uns demütig für die Kostbarkeit des Lebens macht.

„Am meisten überrascht mich der Mensch, denn er opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht genießt. Das Resultat ist, das er nicht in der Gegenwart lebt, er lebt als würde er nie sterben und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt.“

Dalai Lama

Das vollständige Interview als Audio-Datei sowie die Ergebnisse, Erkenntnisse und Impulse aus den Gesprächen in den Arbeitsgruppen dieser Veranstaltung stellen wir zeitnah auf dieser Seite für Euch online.

Die Inhalte zu den SDGs aus der inneren Perspektive entstehen in interdisziplinären Arbeitsgruppen aus Studierenden, Wissenschaftler:innen, spirituellen Menschen verschiedener Traditionen und engagierten Bürger:innen die sich für gesellschaftliche Werte und Ethik interessieren. Die Erarbeitung dieser Inhalte ist ein fortwährender Prozess. Wenn Du Dich gerne einbringen, Deine Impulse und Gedanken mit uns teilen möchtest, dann melde Dich gerne per Email: Ansprechpartnerin Madeleine Genzsch mg@sdg18.de.